EuroIA Summit 2009 Copenhagen – Tag 1

Der wichtigste europäische Kongress für Informationsarchitekten war echt super! Hier mein „Bericht“🙂

Es empfiehlt sich generell am Vorabend der Konferenz anzureisen. Wer es einrichten kann, sollte in jedem Fall auch die Pre-Cons (Workshops) mitnehmen. Mir war dies leider nicht vergönnt. Gegen 18:00h startete das Welcome Get-Together mit ein paar Drinks, welche freundlicherweise von den Firmen FatDUX und User Intelligence gesponsert wurden. Schon beim ersten Durchqueren des Raumes mit dänischer Kaltschale wurde klar, dass es eine „echte“ europäische Veranstaltung war! Ein netter Abend zum Netzwerken und kennen lernen der Gruppe.

Den Veranstaltern war es gelungen, viele Referenten mit cutting-Edge Themen zu gewinnen. Das Thema „Beyond Structure“ machte dies ja schon im Vorfeld klar. Als klare Zielgruppe die IA- und UX-Professionals zu wählen, war in sofern gut, als dass man fachlich anspruchsvolle Themen ohne Rücksicht auf Verluste führen konnte😉

Am nächsten Morgen ging es um 9:00h mit einem Welcome-Coffee los. Den Auftakt machte Eric Reiss @elreiss – seines Zeichens Veranstalter. Eine Neuheit war für mich der „IA-Schuffle“: Es wurde ein Hut aufgestellt, indem jeder ein Thema (auf einem Zettel) ablegen konnte, das er gerne diskutieren würde. In einem zweiten Schritt konnten sich alle Teilnehmer als Panel-Sprecher in den Hut werfen. Anschließend wurden die Panel-Sprecher ausgelost. Zu verfolgen war der Summit auf Twitter übrigens über den Tag #euroia

Als Keynote-Speaker hielt Scott Thomas aka @SimpleScott einen Vortrag zur Obama Presidential Campain. Er gab dabei tiefe Einblicke in die Entwicklung der Website und den dahinter liegenden Prozessen. Höhepunkt dabei war für mich zweifelsohne sein Verständnis der echten Einfachheit (it’s true simple) und die Ausführungen, welche harte Arbeit dahintersteht. Sein Beispiel dazu war ein Formular, in dem sich Wähler registrieren konnten. Anstatt alles auf eine Seite zu packen, hatte Scott die Idee den User in einem Wizzard direkt anzusprechen („Wie ist dein Name“ statt das Feld „Name“) und seine Antworten sofort auszuwerten, so dass die Folgefragen auf den User abgestimmt wurden. So müsse man einen Studenten sicher nicht fragen, welchen Beruf er hat. Übrigens hat er nun ein Buch geschrieben: „Designing Obama“. Abgesehen von den vielen sinnvollen Aussagen war es auch eine hammermäßige Präsentation!

The White House Grid

The White House Grid

Grundsätzlich liefen im Hauptteil der Veranstaltung immer zwei Vorträge gleichzeitig – jeweils eine mit dem Focus „Big Ideas“ und eine „Practical IA“. Im Schnitt war ich öfter bei den Praktikern, was aber auch daran liegen mag, dass es dort sehr viel um Fragen des UX-Alltages und entsprechende Werkzeuge ging.

So ging es bei mir weiter mit Paul Kahn und Julia Moisand „Patterns that Connect – Creating Overview Maps of Complex Data Networks“. Im Kern stand das Arbeiten mit Isometric Sitemaps. Visuell äußerst beeindruckend zeigten die Maps in drei Dimensionen die Ausprägungen des Contents, welche dann über hinzugefügte Layer zusätzliche Views auf den Content erlaubten, beispielsweise Verlinkungen, Spezialrepositories etc.. Isometric Sitemaps zu erstellen erfordert einige Übung. Also: nur dann einsetzen wenn genügend Budget da ist.🙂

Es folgte eine Session, die nicht so ganz meinen Erwartungen entsprach: „Users Do Not Like Any Changes“ von Stanislaw Sorka. Es ging um die Evaluation OPAC-Kataloges – speziell um das Naming der Hauptnavigation. Akademisch sauber, in der Agenturrealität aber eher sehr unwahrscheinlich…

Die Präsentation der Italiener Andrea Resmini und Luca Rosati „Bridging Media – Information Architecture for Ubiquitous Ecologies“ war ein wahres Feuerwerk an coolen Slides, welche bei näherer Betrachtung ich eher in den Raum der Big Ideas angesiedelt hätte. Es wurde ein Manifest für UX aufgestellt, welches in sehr abstrakter Form Guidelines für Crossmedialität zum Inhalt hatte. Sehr inspirierend fand ich die Darstellung der User-Journeys, die habe ich schon mal an anderer Stelle unter dem Namen „Moodmaps“ gesehen habe.

„Evolution of the Sitemap“ – Nein, es ging den niederländischen Kollegen von User Intelligence NICHT darum, wie die Sitemap der eigenen Homepage anzuhübschen sei. Vielmehr gingen Sie dahin, wo es vielen IAs wehtut: wie sollte man Deliverables in Zeiten wachsender Komplexität strukturieren, visualisieren und vor allem dieses dem Kunden verständlich machen? Stichhaltig argumentierten sie, man solle die UX des UserFrontends auch auf die Deliverables übertragen und diese z.B. interaktiv machen. Dabei gingen sie von einem Objektmodell aus, wo sich der User (Kunde oder Entwickler) aussuchen kann, ob er sich die Userflows, Wireframes oder Mockups anschauen möchte, um den Stand der Arbeiten zu begutachten. Wohl gemerkt ist dieses heutzutage noch ein großer Arbeitsaufwand, da es derzeit keine Software gibt, die das leistet. Gleichwohl meine große Anerkennung für den fantastischen Vortrag. Es wurden sehr viele Beispiele gezeigt, von denen ich mit Sicherheit welche verwenden werde. Danke! Ich bin gespannt auf das Produkt! :o)

In the Field: IA Survival Guide in A Hostile Context. Sylvie Daumal zeigte einen ungeschmiken Einblick in die Arbeitsrealität eines IA. In Ihrem Vortrag ging es ihr darum klar zu machen, wie man sich als IA im Unternehmen positioniert. Das ist aus zwei Gründen nicht so einfach: 1. warum sich mit IA beschäftigen, wenn’s doch 10 Jahre ohne ging? Und 2. wie verdeutlicht man seine Notwendigkeit als Team-Member durch das eigene tun? Ihre Folien sind mit einem ironischen Augenzwinkern zu verstehen. Als „Beweis“ für die gute Stimmung untereinander zeigte sie noch ein kurzes Video über die Atmosphäre bei Razorfish FR. Sehr emotional aber auch sehr wahr.

Beim Vortrag „Combining methods – User Research and Web Analytics” zeigte sich erneut, dass offenbar viele IAs auch Designer sind. Ein Großteil der Folien sahen aus, als wären diese für den Slideshare-Contest gemacht. Der Vortag erinnerte mich an die Slides von Louis Rosenfeld. Umso gespannter war ich auch auf den Vortrag, da ich den IA-Summit in Hamburg leider verpasst hatte. Vorgetragen wurde es von (Adam Cox und Martijn Klomepenouwer) ,die sich das Thema in Rollenspielform aufgeteilt hatten. Klasse. Aus meiner Sicht verdeutlichte es die Kernbotschaft: Do User Research and underly them with the big numbers.

Verdammt, leider konnte ich mich nicht klonen: zu James Kalbachs Vortrag „Human Factors in Innovation“ wäre ich gern gegangen. Es gab viele begeisterte Feedbacks von anderen Teilnehmern!

Beim Panel „The IA-Shuffle“ ging es um die Frage, ob es besser wäre mit großen oder kleinen UX-Teams ein Projekt zu machen. Nun ja, ein spannendes Thema, das durch geloste Panel-speaker auch mit vollem Einsatz nicht so richtig ins Rollen kam. Spannenderweise aber nachher beim IA-Shufle. Die Pointe wurde recht schnell deutlich: „It depends on…“. und das wurde sogleich zum Unwort des Abends gekürt: „don’t speak out the *!#@ D-word“. Jeder der es sagte, musste in die Kasse zahlen. Das waren nicht wenige😉

Der Abend fand ausklang im IA-Jam, wo im Gang bei Bier und Snacks Teilnehmer spontan Ihre Arbeit vorstellen konnten. Der Großteil hatte sich aus meiner Sicht eher damit beschäftigt, das Thema des Panels in kleinen Stehgruppen schlicht weiter zu diskutieren. Eine echte Bereicherung für mich. Neben tollen Kontakten sind mir zu einigen Themen doch noch ein paar Lichter aufgegangen. Bevor diese dann für den Tag ausgingen, machte sich der Pulk des durchaus trinkfreudigen IA-Volkes auf in ein dänisches Lokal. Heiß diskutiert wurde, wo der nächste IA-Summit stattfinden solle (ist mittlerweile klar: es geht im September nach Paris!).

Weiter ging es dann am Tag zwei.

 

Cheers, Marcel

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